…so begann am Montag, den 27.08.2012 mein erster Blogeintrag. Und weil er so kurz und knapp war, schreibe ich ihn für Euch nochmal hier hin:

da bin ich, eine spätgeborene in der welt der weblogs. keine ahnung, wohin das noch führen wird.
bei meinen streifzügen durch virtuelle welten fiel mir auf, dass frauen
über 50 nicht sehr vertreten sind oder habe ich nicht an den richtigen
stellen gesucht?


feierabend jetzt – das wetter ist zu schön, um weiter vor der kiste zu
hocken. ich nehme das rad und drehe eine runde auf der suche nach einem
ersten bild für die erste seite.


a+ 

Heute sind drei Jahre um und ich habe mir gestern Abend ziemlich mein Hirn verrenkt, als ich daran dachte, was ich wohl zu diesem Bloggeburtstag schreiben werde. Dann dachte ich mir, dass ich einfach kein riesiges Bohei mache, sondern lieber noch weiter zurückblicke. In meine analoge Vergangenheit und Euch endlich *tadaaaa* – mehrfach angekündigt, ewig versprochen – meine wirklich allerersten Selfies zeige.
Sie sind von 1978 – es war der letzte POS Schultag. Wir Mädchen hatten uns modisch verabredet und waren alle ziemlich gleich angezogen. Es sollte wie damals zum „Schulanfang“ aussehen. Bluse, Faltenrock, weisse Kniestrümpfe und Zöpfchen. Ich durfte eine rote Karobluse von meiner Mutter anziehen. Die hatte sie aus dem „Westen“ von ihrem Cousin in München bekommen. Ich habe von dem Tag in der Schule auch ein paar Fotos, aber die habe ich heute morgen auf die Schnelle nicht gefunden. Diese Selfies dagegen liegen schon lange auf dem blogeigenen TO DO Stapel. Ich kann euch aber skizzieren, wie das Foto mit meinen Mitschülerinnen in etwa aussah:
Ich passte nicht mal ganz auf das Bild, denn ich war einfach einen ganzen Kopf größer als die anderen. Lang und dünn und schlacksig und total unzufrieden mit mir. Keinen Arsch, kein Tittchen, keine Lippen zum anmalen – nur diese langen dünnen Beine, über die alle lachten. So hockte ich auf dem Balkon unserer „Neubauwohnung“ in der Sonne. Muttis Westbluse hatte ich gegen mein SONNIDEE Ringelshirt getauscht, die Zopfhalter wieder aus den Haaren gezogen und dann fiel mir ein, dass ich den Film in meinem Fotoapparat noch nicht ganz voll geknipst hatte und holte ihn. Machte ein paar Posen und biß mir innen auf die Wangen, schob die Zunge zwischen die Vorderzähne, damit meine Lippen voller wirkten. Sozusagen sehr frühe Duck-face Vorläufer. Und ich streckte einfach meinen langen Affenarm aus und drückte ab. 5 x dann war der Film voll und ich hatte meine ersten Selfies im Kasten.
DLK Foto Labor Stralsund steht auf den Stempeln auf der Rückseite der Fotos. DLK hieß übrigens Dienstleistungskombinat. Es gab eine „Komplexe Annahmestelle“ dort konnte man seine Reparaturen (Uhren, Schuhe, Fön etc) abgeben oder Sachen zur Reinigung bringen oder eben seine Fotoarbeiten entwickeln lassen. Alles wurde dann zu den jeweiligen „Fachbetrieben“ gekarrt und irgendwann holte man es wieder ab.
Die Bilder hielt ich ewig unter Verschluß in meinem Giftschrank. Nur dieses eine Grinsebild gefiel mir so gut, dass ich es nachbestellte und verschenkte, wenn mal jemand ein Foto von mir haben wollte.
Im Hintergrund hängt ein kunstgeweblicher Blumenhalter für Miniblumentöpfe an der rauhen Betonwand des Plattenbaus. Und die Markise ist zu sehen, die meine Mutti genäht hatte, weil man durch die diffusen Glasplatten sonst alle nachbarschaftlichen Balkonaktivitäten mit ansehen konnte. Ich habe im Netz gerade ein Bild von so einem Häuserblock gefunden. Arbeiterschließfächer sagten wir dazu.

So Ihr lieben Leute, ich hoffe, Ihr habt Euch wieder etwas amüsiert hier bei mir.
Ich nehme mal tapfer das nächste Blogjahr in Angriff!
干杯